Gespräch mit Herrn Gockel-Böhner

Am 17. April gegen 10 Uhr haben sich meine Frau und ich mit Herrn Gockel-Böhner (Dipl. Ing. agr.) an einer von ihm bewirtschafteten und rund 2 ha großen Fläche getroffen. Wir haben uns über seine Erfahrungen mit insektenfreundlichen Blühflächen unterhalten.

Der Bereich auf der betrachteten Fläche besteht aus lockerem, fruchtbarem Boden (Lehm). Es gibt drei Abschnitte: Der erste ist wie alle anderen auch ungedüngt und wurde im vergangenen Jahr mit einer Samenmischung von Rieger-Hofmann eingesät. Eine Mahd wurde Mitte März 2020 durchgeführt.

Der zweite Abschnitt wurde vor 10 Jahren mit einer Samenmischung (Agrar Umwelt Mischung (AUM)) bestellt. Eine Mahd wurde im August durchgeführt.

Der dritte Teil wurde wie der erste Teil mit einer Rieger-Hofmann Samenmischung versehen, wobei hiervon eine Hälfte jedoch gar nicht gemäht wurde. Diese Hälfte wurde „natur -belassen“, d.h. auch die Halme der größeren Pflanzen wie Sonnenblumen, etc. wurden einfach stehen gelassen. Herr Gockel-Böhner erklärte auch den Grund: durch das Stehenlassen der Halme haben die Insekten gute Fortpflanzungsmöglichkeiten. Sie legen ihre Eier in den Halmen ab – wie dies auch die Insektenhotels nachahmen - wodurch sich die Population erfolgreich entwickeln kann.Wiederholtes Mähen während einer Wachstums-Generation sei also dem Erhalt oder gar der weiteren Entwicklung der Population nicht zuträglich.

Üblicherweise wird aber auch auf der übrigen Fläche das Schnittgut gehäckselt und wieder auf der Fläche verteilt. In den kommenden Jahren jedoch denke Herr Gockel-Böhner auch an das Beweiden durch Schafe. Damit gehe dem Boden die natürliche Düngung nicht verloren. Herr Gockel-Böhner verwies in dem Gespräch mehrmals auf die Bedeutung der Umgebung einer Blühfläche hin. Die Anlage von schmalen Blühstreifen entlang von Straßen - evtl. stark befahrener - ohne Verbindung zu anderen geeigneten Biotopen sah er als nicht zielführend an. Hecken, Gebüschen und Grundstücken mit Baumbestand als Nachbargrundstücke zu Blühwiesen komme hingegen eine entscheidende Bedeutung zu.

Bei genauerem Hinsehen auch auf den Boden konnten verschiedene Insekten erkannt werden. Neben verschiedenen Wildbienenarten und Hummeln auf den Blüten tummelten sich u.a. auch Wanzen am Boden. Von der Vielfalt verschiedener Gräser und für Insekten geeigneter Blühpflanzen (keine gefüllten Blüten !) möchten wir heute nicht berichten. Aber sehen Sie auf die Fotos: können Sie alle verschiedenen Pflanzen identifizieren? Eine große Vielfalt ist erkennbar.

Wir danken Herrn Gockel-Böhner für das konstruktive Gespräch. Er war unseren Fragen gegenüber sehr aufgeschlossen und erwähnte auch seine vielfältigen Kontakte zu U mweltorganisationen und Institutionen, die sich mit Fragen der Biodiversität und den Zusammenhängen in der Natur wissenschaftlich auseinandersetzen.

 

Das Gespräch führten:

Günter und Barbara Wagner

Fotos: Stefan Gockel-Böhner

Interview mit Wolfgang Trambacz, Gewinner des Gartenwettbewerbs "Hennef summt" 2019 in der Kategorie Große Gärten

Wolfgang Trambacz ist einer der Gewinner des Gartenwettbewerbes 2019. Sein Garten in Geistingen verströmt das Flair französischer Filme, in denen eine verwitterte Bank unter einem alten Obstbaum sofort dazu einlädt, den lauen Sommerabend bei einem Kaffee, einem Croissant und einer Zeitung zu verbringen. Mit ihm sprach Karl Jonas (Agenda 21, Sprecher der AG blueHen).

blüHen: Hallo Wolfgang, herzlichen Glückwunsch zu deinem ersten Preis beim Gartenwettbewerb 2019. Wann bist du in dieses Haus mit diesem Garten gezogen?
Wir haben vor 25 Jahren das Haus wegen des großen Gartens gekauft. Wir wollten unser eigenes Gemüse und Obst anpflanzen, und unsere Kinder sollten auf jeden Fall mit der Natur aufwachsen.

blüHen: Sah der Garten damals schon in etwa so aus wie jetzt, oder hast du ihn mit der Zeit umgestaltet?
Der Garten bestand damals hauptsächlich aus Rasen. Dazu gab es Obstbäume, von denen einige auch noch stehen. Der Garten ist von uns mit den Jahren nach und nach umgestaltet worden. Einiges hat sich auch von alleine ergeben. So haben wir zum Beispiel seit einigen Jahren einen Holunderstrauch, den wir nicht gepflanzt haben. Wir haben der Natur Raum gelassen. Es ist doch immer wieder spannend zu sehen, was es dann auf einmal Neues an Pflanzen oder Tieren zu sehen gibt.

blüHen: Wieviel Arbeit macht so ein Garten, in dem man sich beim Reinkommen sofort wohl fühlt?
Ich glaube nicht, dass so ein Garten mehr Arbeitszeit benötigt. Ich gestalte jedes Jahr nur einen kleinen Teil des Gartens neu. Vieles bleibt über Jahre sich selbst überlassen. Ich bezeichne das gerne als wilde Ecken. Hier haben Tiere und Pflanzen bessere Bedingungen zum Leben und Überleben.

blüHen: Schön für Menschen, aber wie sieht es mit der Insektenfreundlichkeit aus?
Unser Garten sollte immer für Menschen, Tiere und Pflanzen eine Wohlfühloase sein. Wilde Ecken, alte Obstbäume, Reisighaufen und heimische Sträucher und Stauden sind für alle Tiere wichtig. Ich liebe meine Wiese, auf der im Frühjahr Hunderte von Krokussen blühen und die sich stetig verändert. Sie wird nur wenige Male gemäht. Außerdem lasse ich gerne beim Mähen einige Stellen mit gerade blühenden Pflanzen stehen -- so werden Insekten nicht plötzlich von ihren Futterplätzen verdrängt.

blüHen: Welche Hilfsmittel verwendest du in deinem Garten? Benutzt du Kunstdünger oder Insektizide? Oder bringst du Kompost ein?
Der Garten hat in 25 Jahren keine Insektizide oder Pestizide gesehen. Brauche ich nicht. Der Garten ist so im natürlichen Gleichgewicht, dass "Schädlinge" keine Chance haben, sich so stark zu vermehren, dass massive Schäden auftreten würden. Im Nutzgarten habe ich gegen zu viel Schneckenfraß einen Schneckenzaun. Ich benutze außer einem elektrischen Rasenmäher auch keine Elektro- oder Benzingeräte, die zusätzliche Abgase in den Garten bringen würden. Ich habe einen großen Komposthaufen und eine Komposttonne. Dazu kaufe ich bei der RSAG Müllverwertung zusätzlichen Kompost.

blüHen: Welchen Tipp kannst du Gartenbesitzern geben, die einen sterilen 08/15-Garten in einen solchen Wohlfühlgarten umwandeln wollen?
Man muss Spaß daran haben, mit der Natur zu arbeiten und nicht gegen sie. Immer wieder Neues zu entdecken ist einfach toll. Auch ist jeder Garten einzigartig. Über die Jahre lernt man seinen Garten immer besser kennen und lieben. Beobachtungsgabe und Geduld sind also angesagt. Kinder brauchen im Garten Platz zum Spielen, Toben, Klettern, und zum Selberausprobieren. Kinder sind neugierig auf alles, was sich im Garten bewegt und auf Neues. So war jedes Jahr die Ernte unserer alten Kartoffelsorten mit ihren unterschiedlichen Farben ein spannendes Ereignis.

blüHen: Was kann blueHen deiner Meinung nach dazu beitragen, das Thema "insektenfreundlicher Garten" weiter zu verbreiten?
Die Anzahl von Insekten, Schmetterlingen, Vögeln und Wildtieren sinkt rapide. Wir brauchen mehr Hennefer BürgerInnen, die bereit sind, insektenfreundliche Gärten anzulegen. So könnten zum Beispiel Informationsveranstaltungen in Gärten stattfinden, die von blueHen ausgezeichnet wurden. Gut wäre es auch, wenn das Umweltamt von Hennef eine Liste von Gartenbesitzern hätte, die bereit wären, anderen bei der Um- oder Neugestaltung eines Gartens mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

blüHen: Herzlichen Dank für den Blick in Deinen Garten, Wolfgang, und ich bin gespannt, ob wir uns beim nächsten Gartenwettbewerb wiedersehen.

Wolfgang Trambacz bietet am 4.4. um 12:30 in Hennef-Geistingen eine Gartenbegehung an. Wer daran teilnehmen möchte kann sich unter der E-Mail Adresse Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! anmelden.

 

Am 6.11. fand der Gartenwettbewerb "Hennef summt" seinen Abschluss: 17 PreisträgerInnen wurden für Gärten ausgezeichnet, die nicht nur wunderschön sind, sondern auch einen Lebensraum für eine vielfältige Insektenwelt bieten.

Alle Ausgezeichneten sind zu finden unter: https://www.hennef.de/index.php?id=7&tx_news_pi1%5Bnews%5D=3558&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=3648d1785a3ed87c9c94109b41a444a1

 

 

Alle reden von Insektenschutz, Blühwiesen, und den pflegeleichten "Gärten des Grauens" in unseren Städten. Jürgen Becker Während unsere Arbeitsgruppe ihre Aktivitäten bisher auf das private Umfeld konzentriert (z.B. mit dem Wettbewerb "Hennef summt" und der Suche nach den insektenfreundlichsten Gärten), arbeiten andere mit ganz anderen Größenordnungen. Die Hennefer Landwirte Jürgen Becker (hier im DLS-Interview) und Bernd Dornbusch-Becker bewirtschaften ca. 250 ha Ackerland. Seit dem Jahr 2006 gehört der Betrieb zum Demeter-Verband. Schon seit Anfang der 90er liefert er sämtliches Getreide für die Brote und Backwaren der DLS Vollkorn-Mühlenbäckerei. Die Felder sind von breiten Ackerrandstreifen umgeben, einige auch von besonders insektenfreundlichen Blühstreifen. Statt bis auf wenige cm an die geteerte Straße zu pflügen, stehen hier sechs Meter für Wildpflanzen und Insekten zur Verfügung. Das sind rasch 5 - 10 % der Anbaufläche, oder 15.000 qm an einem 19 ha großen Acker. Natürlich wird auf der gesamten Fläche biologisch angebaut, Glyphosat und Bienensterben sind auf diesen Äckern kein Thema. Wie das praktisch aussieht, kann sich jeder auf den Feldern um den Hof in Hennef-Theishohn anschauen. Die Flächen sind gerade in der Umstellung von der konventionellen auf biologische Landwirtschaft. Im Sommer waren die Blühstreifen voll mit unterschiedlichsten Blumen und Kräutern, im Winter sieht es natürlich auch hier etwas grauer aus. Eingesäät wurde die Fläche in Theishohn mit der Saatmischung Viterra Bodengare Öko, einer Zwischenfrucht zur Bodenverbesserung (40% Sommerwicke, 28% Sommerfuttererbse, 22% Blaue Bitterlupine, 7% Alexandrinerklee, 2% Phacelia, 1% Sonnenblume). Auf dem Randstreifen wachsen Sonnen- und Mohnblumen neben vielen anderen Wildkräutern. In den kommenden Jahren wird mit einer weiter wachsenden biologischen Vielfalt gerechnet. Dafür sorgt auch Valentin Becker, der den Hof nun in dritter Generation als Ökolandwirt mit bewirtschaftet. Auch Nachfolgerprobleme gibt es hier offensichtlich nicht.

Effektiver Naturschutz geht nur mit den Landwirten. Familie Becker zeigt, wie Ökonomie und Ökologie hand-in-hand gehen können.

 

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kjo

Wertvoller Lebensraum für Tiere: Tot- (Lebend-)holz im Garten

Wer einmal ein unbeabsichtigt liegen gebliebenes Stück Holz nach einiger Zeit vom Boden aufhebt, wird erstaunt sein, welches Leben sich hier inzwischen eingefunden hat! Totes Holz im Garten ist ein besonders wertvoller Lebensraum für viele Insekten. So ernähren sich z.B. Käfer wie der gefährdete Nashornkäfer bzw. ihre Larven von zerfallendem Altholz. Hautflügler (u.a. Bienen und Wespen) legen ihre Eier in Holzgängen ab, die von anderen Insekten vorgebohrt wurden. Dazu gehören auch einige der Solitärwespen, die von Schadinsekten im Garten leben. Viele von oder in totem Holz lebende Tiere tragen aufgrund ihrer räuberischen Lebensweise zur Regulation des biologischen Gleichgewichts in Gärten und Parks bei. Auch so wichtige Blattlausvertilger wie Marienkäfer, Schlupfwespen oder Ohrwürmer gehören dazu. Totes, vermoderndes Holz ist zudem ein wichtiges Glied im Stoffkreislauf der Natur. Werden Holzabfälle, die beim Gehölzschnitt gewonnen werden, zu Reisighaufen aufgeschichtet, entwickeln sich auch Lebensräume für viele Singvögel und Säugetiere. Zaunkönig oder Rotkehlchen nutzen Reisighaufen gerne als Versteck und Brutplatz. Spitzmäuse, Igel, Mauswiesel, Erdkröte oder Zauneidechse finden in einem Holzhaufen einen optimalen Überwinterungsplatz und Unterschlupf.

Anlage von Reisig- und Totholzhaufen: So gut wie in jedem Garten lässt sich an geeigneter Stelle Holz zu einem Reisig- oder Totholzhaufen aufschichten. Auch Laub, Wurzeln, Baumstubben oder Aststücke können mit verwertet werden. Mit Rank- oder Kletterpflanzen bepflanzt wirkt solch ein Reisighaufen keineswegs störend. Ästhetisch ansprechend wirken auch Reisighaufen, die heckenartig angelegt und mit eingeschlagenen Pfählen und Flechtwerk aus Zweigen eingefasst werden. Zum Schutz vor Katzen kann man den Reisighaufen mit vier Pfählen und Maschendraht abdecken.

Abgestorbene Bäume erhalten? Vor dem Fällen abgestorbener Bäume sollte nach Möglichkeit ihre Verwendung für den Artenschutz geprüft werden. Im absterbenden Holz können viele Höhlenbrüter wie Eulen, Baumläufer, Spechte oder Kleiber ihre Nisthöhlen bauen. Auch Fledermäuse suchen Baumhöhlen als Unterschlupf auf, und Hummeln legen dort bevorzugt ihre Nester an. Wenn eine Gefährdung durch herabstürzende Äste zu befürchten ist, sollten Sie zumindest den Baumstumpf mit einigen Ästen stehen lassen. Mit Waldreben (Clematis) oder Efeu bepflanzt kann ein abgestorbener Baumstamm sehr dekorativ aussehen. Nützliche Tipps zum Thema finden Sie hier!

 

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rju

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