Ein Beitrag von Barbara und Günter Wagner

 

Naßkalt war es am 10. Januar 2021. Auf den höher gelegenen Flächen des südlichen Randes des Rhein-Sieg-Kreises, so ab 200m Höhe, lag ein wenig Schnee, darunter war´s matschig. Da wir seit einiger Zeit unsere Milch von dem Bauernhof Bernd Schmitz beziehen, haben wir uns für einen Besuch bei den Flächen der SoLaWi (Solidarische Landwirtschaft), die dort für unsere Region zu Hause ist, aufgemacht.

Wie wir alle wissen, haben sich die Bedingungen für Insekten und anderes Kleingetier – und in der Folge dadurch auch für Vögel - in den letzten Jahrzehnten massiv verschlechtert.

Die Landschaft wurde stark verändert: statt kleinteilig mit vielen Strukturen wie Ackerrainen, Hecken und Feldgehölzen werden jetzt große einheitliche Flächen bearbeitet. Zu Beginn dieser Veränderung stellte man fest, dass viele Tiere neuen Lebensraum im Siedlungsbereich fanden, aber inzwischen wird es für sie auch dort schwierig, da in den Gärten immer mehr exotische Pflanzen (uninteressant für unsere Insekten), kurzgeschorener Rasen und Schottergärten mit Abdichtung zum natürlichen Boden beliebt werden.

 

Ein Versuch, wieder mehr Lebensraum für Tiere in die Landschaft einzubrigen, wurde durch die Mitglieder der oben bereits erwähnten SoLaWi im Laufe des vergangenen Herbstes und Winters in Angriff genommen. Dazu wurden verschiedene Sträucher und Bäume entlang eines Ackerweges ( im Besitz der Stadt Hennef) gepflanzt. Es ist eine etwa 200m lange Reihe unterschiedlicher, einheimischer Pflanzen angelegt worden (siehe Artenliste unten). Die Pflanzlöcher sind etwa 0,5m tief und haben einen Querschnitt von etwa 0,3 x 0,3 m. Sie wurden vor der Beplanzung mit einer „Wühlmaussperre“, d.h. mit einem genügend engmaschigen Drahtgeflecht ausgelegt, um die Wurzeln vor Wühlmausfraß zu schützen. Junge Wurzeln schmecken nämlich besonders fein.

Seien wir also gespannt auf die Früchte dieser Arbeit!

Liste der bisher gepflanzten Arten:

  • Amelanchier lamarchii, Kupfer-Felsenbirne; Aronia melanocarpa, Kahle Apfelbeere;
  • Cornus mas, Kornelkirsche; Ribes nigrum, Schwarze Johannisbeere;
  • Ribes rubrum, Rote Johannisbeere; Birne „Gute Luise“; Birne „Williams Christbirne“;
  • Birne „Clapps Liebling“; Birne „Vereinss Dechantsbirne“; Malus „Alkmene“, Apfel;
  • Malus „Ontario“, Apfel; Malus „Jakob Lebel“, Apfel; Malus „Rheinischer Bohnapfel“, Apfel;
  • Malus „Rheinischer Winterrambur“, Apfel; Malus „Cox Orange Renette“, Apfel;
  • Bühler Frühzwetsche; Hauszwetsche; Pflaume „Ontario“; Zwetsche „Wangenheimer Frühzwetsche“.

 

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kjo


Am 08.10.20 fand von 16:00 bis 18:00 Uhr eine Besichtigungstour der Holzhackschnitzelheizanlage (Baubetriebshof) und des Abwasserwerks statt, um mehr zur nachhaltigen Energiebewirtschaftung zu erfahren. Zu dieser Tour waren Bürger*innen vorab eingeladen worden.

Holzhackschnitzelanlage des Baubetriebshofs:

Seit mehreren Jahren betreibt der Baubetriebshof eine Holzhackschnitzelanlage. Mit der daraus gewonnenen Wärme werden die Betriebsräume wie auch die Werkstätten des Bauhofs geheizt.

Das Holz stammt u. a. aus Notfällungen und Bruch. In gewissen Zeitabständen wird das Holz gehäckselt. Dazu kommt ein großausgelegter Häcksler auf den Bauhof. Selbst große Stämme gehen am Stück durch den Häcksler. Die Holzhackschnitzel werden unter einer luftdurchlässigen Plane getrocknet und danach eingelagert. Eine Förderspindel transportiert die Häcksel automatisch in den Brennofen der Anlage.

Der Leiter Baubetriebshof berichtet, dass erst eine gewisse Betriebserfahrung im Laufe der ersten 2 Jahre einen störungsfreien Betrieb ermöglicht hat. So ist es z. B. nicht möglich, Weihnachtsbäume dort zu entsorgen, da der hohe Asche-Anteil, der bei der Verbrennung entsteht, den Betrieb der Anlage stört.

Kläranlage der Stadt Hennef in Hennef-Zentrum:

Hennef verfügt über 2 Kläranlagen. Eine davon liegt nahe des Zentrums. Die Besichtigung führte vom Zulauf des Schmutzwassers bis zu dem Austritt des gereinigten Wassers aus der Anlage.

Zu Beginn des Reinigungsprozesses wird über Schneckenantriebe grober Unrat aussortiert. In Überlaufbecken folgt das Aussortieren von feinerem Schmutz.

Den Klärbecken werden große Mengen Luft zugeführt, damit die Bakterien das Wasser reinigen können. Diese Belüftungsanlagen sind auch der größte Stromverbraucher im Klärwerk.

In den beiden Faultürmen wird entstehendes Gas aufgefangen. Das Gas wird in einem Blockheizkraftwerk verbrannt, so dass sowohl Strom als auch Wärme genutzt werden können. Ein großes Problem sind im Faulturm über die Toilette entsorgte Wattestäbchen, deren Plastikstiele zu einem Blockieren der Anlage führen können.

Vielen Dank an die Mitarbeiter des Baubetriebshofs und des Klärwerks für die tollen Führungen! Wir haben viel gelernt.

Das nächste virtuelle Treffen der AG Klimaschutz ist am Donnerstag, 3.12.20, von 18:00 bis 19:00. Bei Interesse an einer Teilnahme bitte Frau Behrendt, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, kontaktieren. Themen werden u. a. sein:
- Rückblick auf 2020 (3 Touren, Kooperation mit Hennef for Future, etc.)
- Fahrrad-Schleichwege-Karte (Stand und weiteres Vorgehen)
- Planung für 2021 bzgl. Touren
- Diskussion möglicher Schwerpunktthemen für die Arbeitsgruppe in 2021

AG Klimaschutz beim Hanfer Bauern

 

Auf Einladung des Hanfer Bauern Bernd Schmitz traf sich die Arbeitsgruppe Klimaschutz der Lokalen Agenda21 am 13.08.2020 vor Ort in Hanf. Mit dabei waren Presse und ARD Morgenmagazin.
Hauptthema: die Dürre.
Nach dem Erklimmen einer kleinen Anhöhe bot sich der Arbeitsgruppe ein wunderschöner Blick über das Hanftal und darüber hinaus. Bernd Schmitz erläuterte, dass der Boden bereits in wenigen Zentimetern Tiefe sehr trocken ist. Das führt zu wenig Wiese und damit u. a. zu hungrigen Kühen. Darüber hinaus sind neben den Fichten mittlerweile auch Laubbäume wie die Buchen von der Dürre betroffen. Bernd Schmitz zeigte auf einige Beispiele in der näheren Umgebung.
Was kann man tun? Mehr Bewässerung der Felder mit Trinkwasser kann zu Problemen an anderer Stelle führen. Den Wald zu bewässern ist auch keine Option. Zwischen den Teilnehmern kam es zu einer Diskussion, ob bei Starkregenereignissen evtl. Rückhaltebecken helfen könnten, damit das Wasser nicht auf einen Schlag als Oberflächenwasser in Bächen und Flüssen verlorengeht, sondern nach und nach ggf. über die Felder abgegeben werden kann. Am Ende der Diskussion blieb offen, ob dies wirklich ein möglicher Lösungsansatz sein könnte. Ein Grundsatzproblem bleibt nämlich: lt. Bernd sind in den letzten Jahren statt den üblichen ca. 800l/qm pro Jahr in Hennef nur ca. die Hälfte herabgeregnet.

Nach dem Abstieg von der Anhöhe gab es bei einem frischen Glas Wasser einige weitere Punkte, u. a.
- die Fahrradschleichwege-Karte auf der Web-Seite agenda21-hennef.de ist schon jetzt ein Erfolg und hatte schon über 900 Aufrufe
Die Touren und wie es weitergeht:
- Sportschule und Abtshof werden wir 2021 nachholen, aber an zwei getrennten Termin, damit wir im Nachgang noch Zeit für unsere AG haben.
- Am 08.10.20, um 16:00 bis 18:00 Uhr findet die Tour, Holzhackschnitzelanlage (Baubetriebshof) und Abwasserwerk statt. Zu dieser Tour sind auch Bürger*innen und Externe eingeladen.
- Gut wäre, wenn wir für das nächste Jahr einen Flyer mit unseren Themen und Terminen entwickeln würden
-- Interesse an einem Wasserthema besteht (hier muss abgeklärt werden, ob unsere AG Klimaschutz oder die AG Trinkbrunnen das Thema aufgreift)
-- Schottergärten werden von der AG Hennef BlueHen behandelt.

Vielen Dank an Bernd Schmitz für die Gastfreundschaft!
Und hier noch der Link zum Beitrag im Morgenmagazin.

Hennef ist und bleibt Fair Trade Town. 

Durch ihr Engagement für den fairen Handel nehme die Stadt eine Vorreiterrolle ein, schrieb Dieter Overath, Geschäftsführer von Transfair. Hennef setze ein konkretes Zeichen für eine gerechtere Welt. Die Stadt trage dazu bei, dass durch faire Handelsbeziehungen den benachteiligten Produzentengruppen im Süden zu einem verbesserten Einkommen verholfen werde. 

Die von Overath unterzeichnete Urkunde übergab Annette Flinterman, Leiterin des Arbeitskreises Fairer Handel der Lokalen Agenda 21, an Bürgermeister Klaus Pipke. Der Arbeitskreis plant und organisiert Aktionen rund um den fairen Handel. 

Den Titel Fair Trade Town trägt Hennef seit 2012. Er kann alle 2 Jahre erneuert werden.

Gespräch mit Herrn Gockel-Böhner

Am 17. April gegen 10 Uhr haben sich meine Frau und ich mit Herrn Gockel-Böhner (Dipl. Ing. agr.) an einer von ihm bewirtschafteten und rund 2 ha großen Fläche getroffen. Wir haben uns über seine Erfahrungen mit insektenfreundlichen Blühflächen unterhalten.

Der Bereich auf der betrachteten Fläche besteht aus lockerem, fruchtbarem Boden (Lehm). Es gibt drei Abschnitte: Der erste ist wie alle anderen auch ungedüngt und wurde im vergangenen Jahr mit einer Samenmischung von Rieger-Hofmann eingesät. Eine Mahd wurde Mitte März 2020 durchgeführt.

Der zweite Abschnitt wurde vor 10 Jahren mit einer Samenmischung (Agrar Umwelt Mischung (AUM)) bestellt. Eine Mahd wurde im August durchgeführt.

Der dritte Teil wurde wie der erste Teil mit einer Rieger-Hofmann Samenmischung versehen, wobei hiervon eine Hälfte jedoch gar nicht gemäht wurde. Diese Hälfte wurde „natur -belassen“, d.h. auch die Halme der größeren Pflanzen wie Sonnenblumen, etc. wurden einfach stehen gelassen. Herr Gockel-Böhner erklärte auch den Grund: durch das Stehenlassen der Halme haben die Insekten gute Fortpflanzungsmöglichkeiten. Sie legen ihre Eier in den Halmen ab – wie dies auch die Insektenhotels nachahmen - wodurch sich die Population erfolgreich entwickeln kann.Wiederholtes Mähen während einer Wachstums-Generation sei also dem Erhalt oder gar der weiteren Entwicklung der Population nicht zuträglich.

Üblicherweise wird aber auch auf der übrigen Fläche das Schnittgut gehäckselt und wieder auf der Fläche verteilt. In den kommenden Jahren jedoch denke Herr Gockel-Böhner auch an das Beweiden durch Schafe. Damit gehe dem Boden die natürliche Düngung nicht verloren. Herr Gockel-Böhner verwies in dem Gespräch mehrmals auf die Bedeutung der Umgebung einer Blühfläche hin. Die Anlage von schmalen Blühstreifen entlang von Straßen - evtl. stark befahrener - ohne Verbindung zu anderen geeigneten Biotopen sah er als nicht zielführend an. Hecken, Gebüschen und Grundstücken mit Baumbestand als Nachbargrundstücke zu Blühwiesen komme hingegen eine entscheidende Bedeutung zu.

Bei genauerem Hinsehen auch auf den Boden konnten verschiedene Insekten erkannt werden. Neben verschiedenen Wildbienenarten und Hummeln auf den Blüten tummelten sich u.a. auch Wanzen am Boden. Von der Vielfalt verschiedener Gräser und für Insekten geeigneter Blühpflanzen (keine gefüllten Blüten !) möchten wir heute nicht berichten. Aber sehen Sie auf die Fotos: können Sie alle verschiedenen Pflanzen identifizieren? Eine große Vielfalt ist erkennbar.

Wir danken Herrn Gockel-Böhner für das konstruktive Gespräch. Er war unseren Fragen gegenüber sehr aufgeschlossen und erwähnte auch seine vielfältigen Kontakte zu U mweltorganisationen und Institutionen, die sich mit Fragen der Biodiversität und den Zusammenhängen in der Natur wissenschaftlich auseinandersetzen.

 

Das Gespräch führten:

Günter und Barbara Wagner

Fotos: Stefan Gockel-Böhner